Der Begriff Comeback hat seine ursprüngliche Bedeutung völlig verloren. Mag sein, dass diese etymologische Entwicklung damit zusammenhängt, dass man im Boxsport gemeinhin sagt – also quasi gemein daher redet: „They never come back!“ Durch das Ummünzen ist es inzwischen jedem möglich: dem Fußballer, der nach einer Rot-Sperre wieder für seine Mannschaft aufläuft, wie auch dem Mittrinker, der kurz „für kleine Säufer“ war und danach sofort das nächste Bier bestellt. Tolle Comebacks!
Mit dem neuen Album gelingt „The Prodigy“ aber tatsächlich eine sensationelle Rückkehr, denn seit „Fat of the land“ hatte man doch nicht viel von den Jungs gehört. Da war noch so ein Lied, „Baby’s got a temper“, aber richtige Kracher blieben aus. (Ja, ich weiß, dass da noch ein komplettes Album war, doch hat jemand davon Notiz genommen?)
Die Tracks im einzelnen: „Invaders must die“ bietet einen ruhigen Auftakt zum Eingewöhnen, aber auch direkt satte Bässe. Es klingt wie Prodigy schon immer geklungen hat: Derbe auf allen Frequenzen, vielleicht ein Hauch von Daft Punks „Robot Rock“. Aber es kann kein Zweifel aufkommen: „We are The Prodigy!“ Und man muss zugeben, dass Prodigy eher härter waren als Daft Punk. „Omen“ – Es gab bis heute ca. 107 Lieder dieses Titels, und dieses ist klassisch, tankbar und abwechslungsreich. „The writing’s on the wall, it wont go away!“ Bei “Thunder” wird viel Bass geboten, low frequency. “I hear thunder, it’s no good for me!” Nur langsamer, hit the dancefloor, Mr. Oizo.
“Colours” sollte offensichtlich ein Computer-Game-Tune…. düdeldüdeldüüü… werden, der mit Bass unterlegt wurde und doch unerwartet melodisch ist. „Take me to the hospital“ weckt Erinnerungen an die frühen 90er. „James Brown is dead“ stand hier wohl für den Anfang Pate. Nur eine Frage bleibt bei diesem Track offen, wo kam die Spinne her? „Warriors dance“ ist mystisch angehaucht, garniert mit einer Sängerin wie bei… ich komm noch drauf, irgendwann, nur nicht schnell genug für diesen Text.
„Run with the wolves“ ist irgendwie immer zu schnell vorbei, als dass ich es einordnen kann. Ob das nun ein schlechtes Zeichen ist, mag ich nicht sagen. Aber von der Struktur des Albums ist dieser ruhige Abschnitt genial platziert. Denn „Omen reprise“ bietet die besten zwei Minuten der ganzen Scheibe, inkl. Computerabsturz-Geräuschen. Hoffentlich kommen davon noch ganz viele lange Remixe! Tröööö, the „World’s on fire“ und es geht schnell weiter mit drückenden Bässen – we like that!
„Piranha” hat wieder den early 90ies Style, doch this time it meets 50ies Horror. Anstrengend in Box und Ohr, aber mehr als eingängig. Spooky! Und zum Schluss „Stand up”, swing alon, Big Band meets break-beat. Vielleicht das ruhigste Stück der Platte, das Chillout zum Ende.
Ohne Zweifel dürfte „Invaders must die“ das Comeback des Jahres sein. Die Stücke klingen nach Prodigy, das mag man als Stillstand empfinden, aber es werden immer wieder vertraute Elemente mit neuen gemischt. Wer den Prodigy-Sound vermisst hat, muss einfach zuschlagen, wer No Good oder Firestarter nie gebrauchen konnte, ist natürlich immer noch falsch.
Hit Kandidaten sind genug dabei, ich tippe auf ca. drei fette Charterfolge, ob es in Zeiten, in denen Musikfernsehen nicht mehr stattfindet, gelingt, mit ungewöhnlichen Clips aufzufallen, wird die Frage der nächsten Wochen sein. Und hoffentlich orientieren sich The Prodigy nicht am Veröffentlichungstempo von den Elektropionieren Kraftwerk…
Wie viel Anteil an der Begeisterung davon getragen ist, dass es so lange keine Musik dieser Art gab, wird die Zeit zeigen, aber dieses Album ist gut von vorne bis hinten durch hörbar.
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